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Schloss Britz

Das Haus

Die herausragende Bedeutung des Schlosses Britz für die preußisch-brandenburgische Geschichte liegt vor allem in dem guten Erhaltungszustand und der Quellenlage begründet. An der komplexen Anlage aus Gutshaus, Park, Wirtschaftsgebäuden und Patronatskirche lässt sich beispielhaft der Wandel der märkischen Gesellschaft vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert nachvollziehen. Berühmt waren das spätbarocke Schloss mit landwirtschaftlichem Mustergut, das der Graf von Hertzberg, Minister und enger Vertrauter Friedrichs des Großen, anlegte. Auf dem Gebiet der Maulbeerbaumzüchtung zur Seidenproduktion war der Aufklärer Hertzberg ein Vorreiter und wurde europaweit beachtet.

Diese prägende Zeit ist ebenso gut dokumentiert wie die nachfolgenden Generationen. Im 19. Jahrhundert gelangte das damals noch weit außerhalb der Hauptstadt gelegene Anwesen in den Besitz bürgerlicher Fabrikanten. Statt Seide wurde nun Kartoffelschnaps produziert, allerdings in einer hohen Qualität: Unter dem letzten Besitzer Wilhelm A. J. Wrede galt die Britzer Spritfabrik als eine der führenden im Deutschen Reich. In dieser Zeit, 1880/83, erhielt das Herrenhaus auch sein heutiges historistisches Aussehen. Es präsentiert sich als typischer Sommersitz einer großbürgerlicher Unternehmerfamilie, wie sie seit der Reichsgründung 1871 in großer Zahl um Berlin herum entstanden waren. Die restaurierten Innenräume zeigen eindrucksvoll die gehobene Lebensqualität der Gründerzeit.

Eine wichtige Epoche des 1971 unter Denkmalschutz gestellten Schlosses waren die 40 Nachkriegsjahre, in denen es als Flüchtlings- und später als Kinderheim fungierte. Nach einer umfassenden Restaurierungskampagne (1985-88) wurde es erstmals öffentlich zugänglich gemacht und ist seitdem Ort zahlreicher internationaler Kulturveranstaltungen. Bisheriger Höhepunkt war das 300. Jubiläumsjahr des Barockschlosses 2006. Ein weiterer Anziehungspunkt für Besucher ist der vorbildlich rekonstruierte Gutspark, dem 1997 der Gustav-Meyer-Preis für Gestaltung, Ausführung und Pflege herausragender öffentlicher Grün- und Freiflächen verliehen wurde. Es war die zweite Anlage, die die vom Berliner Senat alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung erhielt. Seit dem Frühjahr 2007 sind Schloss, Museum und Park ganzjährig von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Die ausgedehnte Gutsanlage des 19. Jahrhunderts hat sich durch regelmäßige Konzerte und Theateraufführungen zu einem kulturellen Zentrum im Süden Neuköllns entwickelt.